Mein Beruf? - Bergführerin und Tandempilotin

 

"Lebensphasenberatung ist schwer zu beschreiben.
Jeder stellt sich etwas anderes darunter vor.
Auch Nachfolgeplanung ist eigentlich nicht das richtige Wort für das, was ich Ihnen anbiete…"

Ein Versicherungsmakler sagte mir einmal „Auf die Frage, was ich beruflich mache, sage ich: Ich bin Dschungelführer. Ich bahne Ihnen einen Weg durch all die undurchdringlichen Wege Ihrer Finanzen.“

Ich habe diese Erklärung immer wieder einmal bewegt und gemerkt, dass ich mit diesem Vergleich nicht glücklich bin. Erst als ich nach fast 10 Jahren Lebensphasenberatung und diversen Erfahrungen (auch einem gehörigen Muskelkater nach meinen ersten Kletterversuchen) sehr viel Gefühl für meine Arbeit gefunden hatte, entstand ein Bild vor meinem inneren Auge. Damit hatte ich – zum damaligen Zeitpunkt – einer Maklerin, mit der ich schon länger zusammengearbeitet hatte,  den kompletten Weg einer „Nachfolgeplanung“ beschrieben:

Sag doch deinen Kunden, Frau Fischer können Sie sich vorstellen wie eine Bergführerin…

Noch bevor Sie sich mit Ihnen auf den Weg macht, fordert Sie sie zu einem klärenden Vorabgespräch auf. Das kostet Sie 30 Minuten Ihrer Zeit – mehr nicht. Frau Fischer tut dies, weil sie nie mehr unvorbereitete Menschen in Empfang nehmen will, bei denen sie nicht sicher ist, ob sie sich überhaupt im Klaren sind, was auf sie zukommt. Im übertragenen Sinn gesprochen „Was glauben Sie, wieviele Menschen mit kurzer Hose, leichtem Kleidchen und Flip Flops schon vor mir standen und der Meinung waren, sie könnten sich mit mir in diesem Outfit auf den Weg machen?“ Heißt: Nicht wenige Menschen sind der Meinung, eine Nachfolgeplanung ist ein Strandspaziergang …

Wenn man aber meint, Nachfolgeplanung würde funktionieren wie eine Fahrt mit der Bergbahn, oben eine kleine Runde von der Bergstation zum Restaurant und wieder zurück, dann brauchen Sie mich nicht. Bergführer sind für solche Touren zu teuer – Ihre Flip Flops könnten dann maximal zu kalten Füßen führen, aber i.d.R. wäre es OK.

Ist dann tatsächlich geklärt, dass es auf einen Berg gehen soll, das Schuhwerk passt und die Stöcke parat stehen, dann werfen wir einen Blick in Ihren Rucksack. Haben Sie sich auf die Widrigkeiten eingestellt? Können Sie sich vorstellen, dass so eine Nachfolge-„Berg“-Tour nicht in einer Stunde erledigt ist und man neben einer Fleece-Jacke auch viel Wasser und Verpflegung braucht und evtl. auch frische Unterwäsche und eine Zahnbürste? Und vielleicht muss man auch mitten auf der Strecke eine Höhle suchen, um sich auszuruhen und schafft es nicht mehr bis zur nächsten Hütte …

Eine Bergführerin ist eben anders als ein „Dschungelführer“ niemand, die den Berg kleiner macht. Sie kann vor Antritt der Tour die nötigen Voraussetzungen schaffen und ist diesen Berg schon zigfach hochgestiegen. Das Wetter aber ist an jedem Tag anders und in den Bergen bekanntlich tückisch. Denn so wie jede Nachfolgeplanung nur scheinbar nach identischen Strukturen abläuft, ist das Leben jedes einzelnen Menschen einzigartig – und manchmal kommen die Tücken auch erst an den Tag, wenn man schon „mitten am Berg“ steht.

Eine Bergführerin steht also mit Rat, Wissen und Leidenschaft vor Antritt Ihrer Tour vor Ihnen. Bis dahin haben Sie noch die Wahl …

Während Ihrer Tour wird diese Begleitung Ihnen den sinnvollsten Weg aufzeigen und bevorzugt die Steige anbieten, an denen bereits Sicherungen angebracht sind und bewährte Pfade verlaufen. Bei Zwischenfällen hat sie den Blick für die Landschaft und erarbeitet spontan – aber eben nicht aus dem Blauen – alternative Wege, damit sie möglichst sicher und verletzungsfrei bis zum nächsten befestigten Abschnitt gelangen.

Je nach Ihrem Trainingsstand wird es eine herausfordernde, aber zu jeder Zeit angenehme & erfüllende Tour sein. Es könnte Sie aber auch an den Rand Ihrer Kraft bringen und dazu führen, dass mehrfach Abstiege nötig sind, bevor man bis zum Gipfel gelangt. Auch das liegt in der Verantwortung der Bergführerin. Sie hat den Auftrag zu fordern. Sicherheit & Gesundheit werden aber immer an 1. Stelle stehen.

Für Ihre Nachfolgeplanung heißt das: Es kann sein, dass es zwischendurch Auszeiten oder sogar zusätzliche Hilfestellung durch systemische Berater, Coaches, Rechtsanwälte oder Steuerberater braucht, damit das Ziel erfolgreich erklommen werden kann. Rückschritt heißt hier eben nicht zurück, sondern Besinnung und Vergewisserung – oder eine Verbesserung des Fundaments.

Haben wir dann gemeinsam den Gipfel erklommen, gibt es zwei Möglichkeiten, zurück ins „normale Leben“ zu kommen. Ein Abstieg – das werden Ihnen Erfahrene sagen – ist fast anstrengender als der Aufstieg, zumindest für Ihre Knie. Sehe ich auf meine eigene Leidenschaft, dann würde ich mir eine passende Fläche auf dem Berg aussuchen, meinen Gleitschirm auslegen und ins Tal fliegen.

Und auch hier mag der eine oder andere von Ihnen noch einmal tief Luft holen …

Genügt nicht der anstrengende und manchmal durchaus angsteinflösende Aufstieg? Ist es nicht allein schon gefährlich, von einem Gipfel zu starten und wie verrückt muss man eigentlich sein, sich auf wenige Quadratmeter Stoff zu verlassen, um auf dem Boden der Tatsachen zurückzukommen?

Und genau hier zeichne ich bewusst ein Bild, bei dem gerade am scheinbaren Ziel ein zweites Mal Achtsamkeit gefragt ist:

Frage ich meine Mandanten nach ihren Vorstellungen zum Ruhestand, dann erhalte ich in fast allen Fällen rosarote Bilder gemalt. Nur Wenige können die Herausforderung Ruhestand – die Herausforderung letzter Lebensabschnitt – ermessen … und Manche wollen es auch gar nicht.

Und so, wie ich Niemanden zu einem Tandemflug zwingen würde, weil nichts auf dieser Welt gut ist , das mit Angst getan wird, so zwinge ich auch Niemanden, der mich mit seiner Nachfolgeplanung beauftragt, über seinen Ruhestand nachzudenken.

Es gibt diejenigen, die das Abenteuer Freiheit ohne großes Nachdenken sofort starten und es gar nicht erwarten können, nach wenigen Schritten am Hang abzuheben. Auf dem Weg ihrer Nachfolge- und Ruhestandsplanung sind alle Rahmenbedingungen geklärt, das Leben bestand nicht nur aus Arbeit und so freuen sie sich, dass sie an den vielen Stellen der Anfragen, jetzt viel öfter JA sagen zu können. Ehrenämter, Enkelkinder, Partner, Urlaube – in einer 24 Stunden-Freiheit lässt sich viel mehr unterbringen als um einen 10 Stunden Arbeitstag mit mehr oder weniger langem Arbeitsweg.

Andere überlegen jetzt aber, was das eigene Selbstbewusstsein ohne das eigene Unternehmen macht und wo 14 Stunden täglich gefüllt werden können. Auch körperliche Einschränkungen des Alters können solche Fragen aufwerfen. Und zuletzt ist es manchmal auch der Gedanke der abnehmenden Lebenszeit, der Ängste schürt.

Niemand jagt sie vom Gipfel Ihres Lebens!

Und wer schon einmal neben einem Gipfelkreuz stand – egal ob der Aufstieg 4 Stunden, 4 Tage oder noch länger gedauert hat – der hat vielleicht auch schon einmal erlebt, dass mit dem Abstieg ein Stück Sehnsucht zurück zu diesem Moment wächst.

Der Ausblick vom Gipfel, dieser erhabenen Moment, dieses Gefühl von Glück – wenn wir es im Herzen konservieren können, dann bekommt unser Leben eine neue Qualität.

Es ist gut möglich, dass es nicht der letzte Aufstieg war – diese Nachfolgeplanung – aber wenn wieder einmal eine schwierige Situation zu meistern ist, dann können Sie das Glücksgefühl des Gipfels zurückrufen aus Ihren Erinnerungen.

… und genau das ist es, was die Qualität meiner Arbeit (auch) für mich ausmacht.

Ich trage „den Gleitschirm“ jedes Mal parallel zu allem anderen auf dem Rücken, wenn ich Menschen in Nachfolgeplanungen, Nachlassbegleitungen oder bei anderen Grenzsituationen unterstütze. Manchmal erlebe ich den Weg genauso anstrengend wie diejenigen, die ich begleite – auch wenn ich hierin ausgebildet, erfahren und trainiert bin UND man es mir selten anmerkt.

Das Glück der Menschen zu erleben, mit denen ich all die Strapazen durchschritten habe und nun deren Blick vom Gipfel teilen darf, entschädigt für alles. Mit dieser Sichtweise und meiner Liebe zu Menschen ist es dann vielleicht auch nicht verwunderlich, dass es mir immer noch schwer fällt, entsprechende Rechnungen zu schreiben …

 

… aber auch Bergführer & Tandempiloten
bezahlen ihren Lebensunterhalt nicht mit dem Glücksgefühl vom Ausblick am Gipfel.

 

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