Versöhnung braucht (manchmal) Anlässe

An Allerheiligen gedenken Katholiken ihrer Verstorbenen. Ein anderer Anlass – aber (fast) wie an Weihnachten ein Tag, an dem Menschen Jahr für Jahr in ihren Herkunftsfamilien nach dem Friedhofsgang zusammenkommen.

Auf den Friedhöfen stehen sie bei den Gräbern der entsprechend nächsten Verwandten – dem Mann, dem Vater – um im Anschluss an die Zeremonie auch die Gräber der anderen Verwandten zu besuchen.

Doch an manchem Gräbern stehen nur einzelne Personen … nur die Frau und keine Kinder – nur der Sohn, nicht die Geschwister.

An Feiertagen wie Allerheiligen denkt man in der Hoffnung der Auferstehung an geliebte Menschen, die schon gestorben sind. Dabei ist die Trauer über die Beziehungen zu den lebenden Verwandten größer als der Schmerz über den Verlust des Gestorbenen.

Aber solche Tage bergen große Schätze in sich. So Mancher geht aus Pflichtgefühl zum Gottestdienst – und so wird eine Einladung zum Familienkaffee im Nachgang möglich. An einem Tag lassen sich alte Wunden nicht heilen, manche Narben brechen durch die Nähe sogar wieder auf. Aber an solchen Tagen können auch Wunder geschehen – wenn man feststellt, dass ein einziges großes Missverständnis zwischen Eltern und Kindern oder unter Geschwistern für jahrelange Funkstille gesorgt hat.

Heute habe ich eine Frau sagen hören „Ich habe ihn nicht gehasst. Ich habe den Kontakt zu meinem Vater nicht abgebrochen, bin nicht sang- und klanglos gegangen. Er hat mir mein eigenes Leben nicht gegönnt, konnte meinen Weg nicht akzeptieren. Zu gehen und Distanz zu halten war die einzige Chance, dass meine Seele überlebt hat.“ Der Vater nahm sie in den Arm „Ich habe mich einmal in deine Nähe in eine deiner Aufführungen geschlichen. Ich wollte sehen, was aus dir geworden war. Ich hatte Angst, du könntest nicht überleben von der Künstlergage. Ich hatte Tränen in den Augen – du bist so wunderbar. Aber wie sollte ich dir so etwas sagen? Du hättest das Telefon nicht abgenommen, hätte ich angerufen …“

Bei Nachfolgeplanungen oder Begleitungen von Erbengemeinschaften erlebe ich immer wieder solche und ähnliche Momente. Es tut weh, wenn ich höre, wieviel Zeit Menschen „damit“ vergeuden – ABER jede Erkenntnis und jedes Zusammenkommen ist der neue Anfang für ein Miteinander. Und am Ende zählen nicht die Jahre, die wir miteinander verbracht haben, sondern die Momente, die wir in Liebe geteilt haben …

                                                                                                                      vorherigen Artikel ansehen

 

Kontakt

Telefon:
09260 / 964985-8
Anfrage per E-Mail