Der Moment, in dem NICHTS anderes wichtiger ist


Ich habe den Eindruck,
es gibt nur zwei Momente in unserem Leben,
in denen wir nicht über Prioritäten diskutieren:

Geburt und Tod
 

 

Liegt eine Frau in den Wehen, dann gibt es nichts Wichtigeres, als sich dem sichtbar Werden des neuen Lebens zu widmen und mit aller Aufmerksamkeit bei sich zu sein. Es gibt nur wenige Väter, die nach dem entscheidenden Anruf noch Ruhe bewahren können. Und diejenigen, die dann seelenruhig einen beruflichen Termin zu Ende bringen (wollen), werden von allen um sie herum gedrängt, sich auf den Weg in den Kreissaal zu machen.

Haben wir einen Menschen geliebt, dann sind es die letzten Stunden, die wir mit ihm oder ihr verbringen möchten. Jeder verabschiedet sich anders, aber das Grundlegende – das Abschied nehmen – das opfern wir keinem noch so Wichtigtuerischen dieser Welt.

Es gibt nichts Wichtigeres!

 

Wenn sich ein Mensch verabschiedet hat – oder von einer Sekunde auf die nächste aus dem Leben gerissen wurde – dann scheint die Welt still zu stehen. Dann scheint sich Respekt wie ein schützender Vorhang um uns zu legen. Es darf Stille einkehren und manchmal macht sich auch Ruhe breit. Unwissende Anrufer verstummen schnell, wenn ihnen erklärt wird, warum es im Moment keine Zeit gibt. Anstatt drohend zu reagieren, ist jetzt die Entschuldigung für die Störung die angemessene Antwort.

Diese Zwischenzeit darf sein – und sie ist wichtig. Es ist wichtig, sie zu nutzen, damit das Leben weitergehen kann … denn es geht weiter.
Grausam und unaufhaltsam konfrontiert uns die Wirklichkeit nach der Bestattung wieder mit scheinbar Nebensächlichem, mit Bürokratie und Finanzen. Wir sollen wieder funktionieren, weil wir sonst für unsere Mitmenschen zu anstrengend sind.

Es will keine Rücksicht genommen werden, wir haben Mitgefühl verlernt, das wieder auf die Füße hilft. Wir haben Mitleid und schlechtes Gewissen – aber das hilft Keinem.

 

Ich möchte mich für die Hoffnung einsetzen, damit der Tod als Übergang in die Ewigkeit seinen Schrecken verliert - trotzdem...

Es gibt nämlich keinen Grund, Abschiede zu feiern. Diesen nicht und auch alle anderen nicht. Wir feiern keine Abschiede, wir feiern Erreichtes oder den Neubeginn. So feiern wir den Schulabschluss und vergessen die Trauer der Eltern, die ihre Kinder in die Selbstständigkeit entlassen müssen. Wir feiern die Geburt und vergessen die Trauer der Mutter, die das Neugeborene nun mit allen anderen teilen muss. Wir feiern die Hochzeit und vergessen Eltern, die sich beraubt fühlen, weil da Jemand ist, der mehr geliebt wird als sie.

Hier aber versöhnt uns das Leben mit immer neuen, wunderschönen Momenten:
Die Kinder, die etwas aus ihren Wurzeln machen und auf die die Eltern so stolz sind. Die Mutter, die ihr Baby, ihr Kind in den Armen hält, aufwachsen sieht und die es immer wieder als wichtigste Bezugsperson in die Arme nimmt, wenn kein anderer trösten kann oder zum gemeinsam freuen gebraucht wird. Die Eltern, die nach der Hochzeit ein zusätzliches "Kind" geschenkt bekommen und sich ab diesem Zeitpunkt vielleicht sogar auf das Enkelkind freuen.

Wir können uns aber nicht vorstellen, was man einem Todesfall Positives abgewinnen könnte. Und so können die Wenigsten von uns den Heimgang eines Menschen feiern, weil diese Feier nur aus einem Glauben an die Auferstehung denkbar wird. Wir können nichts feiern, was von überwältigender Trauer niedergedrückt wird. Wir verzweifeln an einem „Wie konnte ER das zulassen“, weil uns etwas aus dem Herzen gerissen wurde. Wie sollen wir feiern, dass wir nun nur noch halb übriggeblieben sind?

Es ist meine Hoffnung, dass die Freude des gemeinsamen Seins, die vielen Versöhnungen während des Lebens uns zu unschätzbaren und nie verbleichenden Erinnerungen werden. Und es ist meine Hoffnung, dass der Glaube an die Auferstehung uns wieder zusammenführt. Diesen - meinen eigenen - Abschied werde ich dann mit dem Blick in die Ewigkeit feiern …

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